Programm

Programm

Anfang Dezember, am 7., 8., und 9. Und 10. werden per WebEx Online Vorträge stattfinden, in denen den verschiedensten Fragestellungen nachgegangen wird:

Was unterscheidet eigentlich Linksextremismus von Rechtsextremismus? Ist beides nicht irgendwie das gleiche, nur eben "umgekehrt"? Welche Position hatten und haben Frauen in der rechten Szene? Was sind eigentlich Kameradschaften? Wie organisieren sich Rechte in Brandenburg und was für Erkennungscodes teilen sie miteinander?


  • Montag 07.12. um 17.30 Uhr - Problemaufriss

    Hat Deutschland ein Problem mit Rechtsextremismus?

    Sind Rechtsextreme nicht eigentlich eine irrelevante Randgruppe in unserer heutigen Bundesrepublik? Und gehört dieses Phänomen, zumindest als ein ernstzunehmendes, nicht lange der Vergangenheit an?

    Das "dritte Reich" und der zweite Weltkrieg sind Geschichte, na klar.

    Aber was sind das für Akteur*innen, die sich noch heute auf rechtsextreme Ideologien berufen? Wie viele sind es eigentlich? Und aus welchen Ecken kommen sie?

    Dieser Problemaufriss gibt einen grundlegenden Einstieg in den Themenbereich von Extremer Rechte, Neonazis und völkischen Denkens. Neben Zahlen und Fakten zum Auftreten und zu Strategien aktueller Strömungen, sollen auch einige analytische Fragen gestellt und so ideologische Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Akteur*innen herausgearbeitet werden.

    Georg Schütze ist Mitarbeiter im Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt und setzt sich gegen Rassismus sowie für die Stärkung der Rechte geflüchteter Menschen ein. Zudem ist er ehrenamtlicher Argumentationstrainer und Berater im Netzwerk für Demokratie und Courage.


  • Montag 07.12. um 18:30 Rassismuskritische Perspektive in der Beratungs-und Therapiearbeit

    In diesem Vortrag geht es darum, eine Einführung in die Ansätze der Rassismuskritik anzubieten. Es wird für Teilnehmer_innen ein von Handlungsdruck entlasteter Raum geschaffen, in dem es möglich ist, sich mit der eigenen Positionierung, Haltung und Rolle als Psycholog_innen in der Beratungs- und Therapiearbeit auseinanderzusetzen. Darüber hinaus wird es ermöglicht, in einen Austausch über die eigenen Alltagsanforderungen zu treten und sich kritisch mit den institutionellen und individuellen Handlungsroutinen, gerade auch in der Beratungs-und Therapiearbeit auseinanderzusetzen. Eine Voraussetzung für eine rassismus- und diskriminierungskritische Beratungs- und Therapiepraxis ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Positionierung innerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse, mit eigenen (traumatischen) Diskriminierungserfahrungen und eigenen Privilegien: 

     

    An welchen Lebensrealitäten und Erfahrungen orientieren sich therapeutische und beraterische Ansätze? Welche Normalitätsannahmen liegen ihnen zu Grunde? Inwiefern kommen stereotypisierende und kulturalisierende Deutungsmuster zum Einsatz?

    Welche Resonanz erfahren Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen? Wie spiegeln sich die Positionierungen der Ratsuchenden in den Positionierungen der Berater_innen/Therapeut_innen wider? Inwiefern werden Diskriminierungserfahrungen gehört, anerkannt und/oder wiederholt? 

    Wie verändert sich der Blick auf die eigene Praxis, wenn ich nach Machtverhältnissen frage, die in einer konkreten Situation relevant werden?  

    In diesem Vortrag wird weniger „Rezeptwissen” vorgestellt, sondern es geht um eine selbstkritische Reflexion und Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen (Ungerechtigkeits-) Verhältnissen und der eigenen Rolle.

  • Dienstag 8.12. 17:30 Rechtsextrimismus und Antisemitismus in Brandenburg

    Brandenburg gehört zu den Bundesländern mit den meisten neonazistisch motivierten Gewalttaten in Deutschland. Im vergangenen Jahr erreichte mit 2.800 Neonazis das Bundesland einen neuen Höchstwert. Trotz der allgemeinen Einschwörung des Kampfes gegen Rechts floriert die Neonaziszene weiter. Welche ideologischen Inhalte liegen dieser zu Grunde? Wie ist die extreme Rechte im Jahr 2020 struktuiert? Wer sind ihre Akteure? Diese und weitere Fragen sollen in dem Vortrag dargestellt werden und geben einen Überblick über die extrem rechte Szene im Land Brandenburg. 

  • Dienstag 08.12. 18:30 Rechtsextreme Symbole und Rechte im Alltag

    In diesem Vortrag möchten wir mit euch verschiedene Codes, Erkennungszeichen und Strukturen von Rechtsextremist*innen beleuchten. Wo und wie bewegen sich diese Menschen? Wie sind sie strukturiert? Was kann ich als einzelne Person gegen solche Meinungen und Standpunkte machen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen, probieren wir in diesem spannenden Vortrag zu beleuchten.

  • Mittwoch 09.12. 17:30 Anastasiabewegung

    Ökologisch, esoterisch, rechtsextrem? Zur Anastasia-Bewegung in Brandenburg

    Mit Tieren reden können, alles Wissen dieser Welt besitzen, alle Sprachen beherrschen - zu all dem, und noch viel mehr, wären wir laut dem russischen Autoren Wladimir Megre in der Lage, wenn wir nicht durch "Dunkelmächte" und die "Technokratie" "verblendet" werden würden. Seine Romanreihe um die märchenhafte Anastasia motiviert weltweit Menschen, sich im Sinne seiner ökologischen Überzeugungen auf dem Land anzusiedeln und dort zu versuchen, im Einklang mit der Natur zu leben. Diese sogenannten "Familienlandsitze" gibt es auch in Brandenburg und hier zeigt sich, wie gefährlich die Bewegung ist: Die Verbindungen in die rechtsextreme Szene und zu völkischen Gruppierungen sind längst gut belegt, genauso wie rassistische, antisemitische und verschwörungsideologische Äußerungen der Anastasianer/innen.

    Der freie politische Bildner Marius Hellwig wird uns in seinem Vortrag vorstellen, welches Weltbild in den Anastasia-Romanen verbreitet wird und wie versucht wird, diese völkisch-esoterische Märchenwelt in Brandenburg Realität werden zu lassen.


    Video über Anastasia (BR24)

  • Mittwoch 09.12. 19:15 Uhr Jung - feministisch - extrem rechts?

    Rechtsextrem – das sind doch diese glatze- und springerstiefeltragenden Typen die von „Rassereinheit“ träumen und von einem „geheimen Judenstaat“ schwadronieren… oder?

    Dieses vereinfachte und einseitige Bild des Phänomens hält sich hartnäckig in den Köpfen von vielen. Dabei ist die (extreme) Rechte in Deutschland sehr vielseitig und anpassungsfähig. Im Internet gibt sie sich jung und modern. Aktivistinnen* produzieren Youtube-Videos gegen Gewalt an Frauen*, eine Lesbe sitzt im Bundestag für die Alternative für Deutschland (AfD) und trans Personen mobilisieren auf ihren Onlineblogs für den „Widerstand“. Ist die (extreme) Rechte also weniger traditionalistisch, homo-/transfeindlich und sexistisch, als wir denken? Dieser Vortrag soll Ihnen einen Überblick über die aktuellen Diskurse innerhalb der Szene zu Gender- und Queer-Themen geben.

  • Donnerstag 10.12. 17:30 Ausstiegsarbeit Rechts: Wie funktioniert das eigentlich?

    (Extrem) rechte Einstellungsmuster sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, welches es auf unterschiedlichen Präventionsebenen zu bewältigen gilt. Einen Teil dieser Arbeit übernehmen seit mehreren Jahren zivilgesellschaftliche Ausstiegsberatungen.


    Neben Einblicken in die praktische Arbeit dieser Angebote, der Vorstellung von Standards, sowie dem Aufzeigen von funktionierenden Bildungsangeboten, werden die Referent*innen beleuchten, warum sich Menschen einer (extrem) rechten Ideologie zuwenden, aber auch, warum sie ihr den Rücken kehren. Außerdem sollen unterschiedliche Wege diskutiert werden, wie gegen Hinwendungen zu rechten Denkmustern/Strukturen vorgegangen werden kann.


    Weitere Infos
  • Donnerstag 10.12. 19:45 Rassismus in der Medizin. Eine kritische Perspektive

    Sie tauchen in Lehrbüchern auf, werden beiläufig von Dozierenden erwähnt und beeinflussen unter Umständen das ärztliche Handeln – Rassismen. In diesem Vortrag sollen Situationen aufgezeigt und beleuchtet werden, in denen es in Ausbildung und Beruf zur Perpetuierung von rassistischen Vorstellungen kommt, wie sog. Racial-bias in der Praxis für Patient*innen tödlich endet und was dagegen unternommen werden kann. Weiterhin werden die kritische Medizin und die AG solidarische Medizin Brandenburg vorgestellt.